Über das Stockschießen im allgemeinen!

Das Stockschießen (ursprünglich Eisstockschießen), ist nun schon ein Ganzjahressport geworden. Es werden Meisterschaften auf nationalen und internationalen Ebenen gespielt, für Damen und Herren aller Altersklassen (Schüler, Jugend, Junioren, Herren, Senioren, Damen und Mixed) in drei Disziplinen durchgeführt; Mannschafts- Ziel- und Weitschießen. Obwohl in unseren Reihen keine Profis zu finden sind, wissen wir, dass das Stockschießen mehr als eine Freizeitgestaltung ist, da es körperliche Fitness erfordert und viele andere Entbehrungen verlangt.

Sind wir einmal soweit, dass auch Laien unsere Sportart als Wettkämpfe sehen, weil wir ohne viel Worte diesen Eindruck vermitteln können, dann werden wir in allen Kreisen Anerkennung finden und nicht belächelt werden. Bis dahin müssen wir aber gemeinsam noch einen langen Weg gehen und vor allem bei kleineren und großen Wettkämpfen unser sportliches Verhalten beweisen.

Beispielsweise die sportliche Kleidung (gleiche Dressen, Trainingsanzüge und Anoraks) den Konsum von Genussmittel sprich Alkohol oder Rauchen während der Sportausübung in den Griff bekommen. Außerdem werden bei Staats-, Europa und Weltmeisterschaften auch schon unangemeldete Dopingkontrollen gemacht. Man sollte wennmöglich bei Presseberichten und bei Spielberichten sich angewöhnen Mannschaften und nicht Moarschaft schreiben. Der Spielführer (früher Moar) und Mannschaftsführer (verantworlich für Pünktlichkeit, Material, Nennung, Pässe usw.) sollte aus unserem Wortschatz nach und nach gestrichen werden.

Da unser Sport vor allem eine Konzentration von jedem Spieler abverlangt, sollten wir aber nicht vergessen, dass Stockschießen ein Mannschaftssport ist und nur die ganze Mannschaft ein Spiel verliert oder hoffentlich gewinnt!

 

Der Stocksport in der jetzigen Form ist vierphasig!

Vorbereitungsphase

Welchen Schuss muss ich machen (Plattenauswahl), 6-8 mal Durchatmen, da Sauerstoff ganz wichtig für die Konzentration ist, Griff (bei Regen, Tau oder Nebel), Hand (nicht fett oder nass)

Konzentrationsphase

Richtige Stellung (Stand, Haltung), Atemrhytmus, Daumen nach aussen, da sonst das aufheben der Schulter erforderlich ist; nur der Oberkörper wippt beim Schwingen 5-10 mal; die Augen sind auf das Ziel gerichtet.

Hauptphase

Fast jeder Muskel im Körper ist gespannt, letztes Ausholen (Schusshand schwingt ca. 20-30 cm höher als beim Einpendeln); Oberkörper geht nach vor, Ausfallschritt, Standbein wird gestreckt, Oberkörper und Kopf unbedingt nach oben strecken; Schusshand immer Richtung Ziel.

Ausklangphase
Der Stock wird ca. 5 cm neben dem Ausfallschrittbein flach aufgesetzt.
Stimmt die Auflage nicht? (Stiellänge, Hand nicht gestreckt, Standbein zu wenig abgewinkelt usw.
--> Fehlerquellen suchen und beim Training versuchen, sie zu entfernen.)
Schusshand ist noch immer Richtung Ziel (lange Hand). Einige Schritte nachlaufen (Gelenksschonung). Kein Schussabbrechen!

 

Was und wie kann ich mein Können (Form) verbessern?

Mit gutem Training, welche Einstellung (Laune) negativ-positiv. Negative Einstellung kann ich mit Autogenem Training verdrängen: "Ich treffe diesen Stock, ich schieße nicht 60% daneben, sondern ich treffe 40%. Heute ist mein Tag und nicht umgekehrt. Dieser Schuss gehört mir. Ich weiß was ich kann." Nur so ist es richtig. Ein positiver Vorgang ist es, wenn sich der Stocksportler einreden kann, dass er das verlangte am besten löst. (Selbstgespräche, nur diesen Gedanken.)

Ungeliebte Schüsse kann man beim Training üben (diesen Stock treffe ich 10 mal). Notieren und beim nächsten Training wiederholen. Der Erfolg stellt sich sicher ein.

Gestreckte Hand (lange Hand) kann geübt werden. Tennisball etc. bei einigen Metern Entfernung in einen Kübel werfen.

"Ich schieße immer dieselbe Seite daneben." Das ist mit Gleichgewichtsübungen zu verbessern. (Wir gehen auf einem Balken mehrmals vorwärts, rückwärts und auch seitlich.)

Wasserhaushalt: Der Mensch verliert ca. 2,5l Wasser am Tag, beim Sport ca. 2-4l am halben Tag. Bis man das Durstgefühl verspürt, arbeitet das Gehirn schon mit dem Körper 1 Stunde und diese Ablenkung fehlt bei der Konzentration für den Versuch (Schuss). Ebenso ist es mit dem Hungergefühl. Daher ist es wichtig, dem Körper viel Flüssigkeit in kleinen Mengen (kalter Tee, Mineralwasser, Isotonische, elektrolyd. Getränke, kein Zuckerwasser) stündlich zuzuführen. Auch mit den Speisen ist es so, weniger und öfters ist besser. Das Pausenloch ist die Folge wenn man es umgekehrt macht.

Immer wieder Lockerungsübungen, Gymnastik und Dehnungsarten zwischendurch machen, damit der Körper warm und geschmeidig bleibt.

Hauptsächliche Fehlerquellen im Stocksport, die zu Leistungsabfall führen und wenn möglich vermieden werden sollten

Ausrüstung

  • Schuhe: rutschfest, fest verschnürt, kein Klettverschluss; bei neuen Schuhen ist zu beachten, dass sie in etwa die gleiche Höhe haben sollten, wie die zuvor getragenen (sonst schlechte Auflage)
  • die Oberbekleidung soll beim Schuss den Rücken nicht entblößen (Kreuzschmerzen); mehrere dünne Pullover und Trainingsanzug sind einem dicken Anorak, der die Bewegungsfreiheit einschränkt, vorzuziehen; jede Oberbekleidung soll geschlossen werden; ein offener Reißverschluss stört beim Schuss
  • an der Hose sollten Hosenträger befestigt werden, ansonsten ist bei den Spielern oft ein Kampf mit der Hose anstatt mit den Gegnern zu beobachten
  • zu vermeiden sind Kopfbedeckungen, die verrutschen können
  • Sonnenbrillen sollten rutschfest sein

Stress

  • sämtliche "Nebengeschäfte" wie Material suchen, Jause und Getränke organisieren, sollten vermieden werden;
  • Zuspätkommen stört ebenfalls den Spielablauf;
  • während des Spiels sollten Streit und Debatten bzw. Informationsaustausch über Spielverlauf und Spielabstand unterlassen werden; wenn man bei der Sache ist, muss man über den Spielstand ohnehin bescheid wissen.

Taktik

jede Person hat ihren eigenen Schuss und kann auch improvisieren, wenn es das Spiel erfordert; der erste Gedanke ist meist der beste

Atmung

vor dem Schuss drei bis viermal durchatmen, da Sauerstoff die Konzentration fördert und folglich die Treffsicherheit bzw. den Erfolg erhöht

Schmerzen

Schmerzen lenken ab - die Konzentration wird vermindert: drückende Schuhe, Rheuma, Tennisarm (Dehnen!), Gelenksschmerzen (Dehnen!), Rückenbeschwerden (Dehnen!)

Hunger und Durst

mindern ebenfalls die Konzentration

Einstellung

negative Einstellung nicht aufkommen lassen --> positive Selbstsuggestionen wie "heute bin ich gut drauf" oder "heute treffe ich 60% und schieße nur 40% daneben (nicht umgekehrt)" modifizieren die Einstellung - dann ist der Erfolg gegeben!

 

Das Mannschaftsspiel

Dafür benötigt man eine Eis- oder Stocksportbahn (Asphalt, Kunststoff, Beton, Stein) von etwa 33m Länge und 5m Breite.

Das Wettkampfgerät ist ein kegelstumpfförmiger Stock von 275mm Durchmesser und einer Höhe von 86mm, wozu noch die erlaubte Haltegriffhöhe (Stiellänge) von 150-250mm gerechnet wird. Die Laufsohle (Platte) und der Stiel sind auswechselbar, und das Gewicht des wettkampffertigen Gerätes beträgt etwa 5kg.

Als weiteres Wettkampfgerät wird eine Gummischeibe von 120mm, einer Höhe von 45mm und einem Loch von 60mm, verwendet. Diese Scheibe dient nur als Zielobjekt und wird Daube genannt.

Im Wettbewerb wird der Stock durch den Spieler vom Abspielpunkt ohne Anlauf so auf die Bahn geworfen (aufgelegt), dass dieser auf der Laufsohle in eine bestimmte Richtung oder Weite ins Zielfeld gleitet.

Die Mannschaften bestehen aus je 4 Spielern und kämpfen um die Bestlage (kürzeste Entfernung) zur Daube im Zielfeld.

Die Zielfelder befinden sich an jedem Ende der Stocksportbahn, sodass die beiden Mannschaften nach dem Abspielen aller 8 Stöcke nur "umkehren" brauchen und danach in die Gegenrichtung spielen. Das einmalige Abspielen aller 8 Stöcke in eine Richtung nennt man folglich auch "Kehre".

Die Zielfeldgröße beträgt 6x3m und hat in der Mitte parallel zu den Randlinien das Daubenkreuz eingezeichnet.

Die Abspielstelle befindet sich in der Bahnmitte am gegenüberliegenden Ende der Stocksportbahn 24,5m vom Daubenkreuz des Zielfeldes entfernt.

Das Spiel wird meist vom Spielführer der hiefür bestimmten Mannschaft eröffnet (Anspiel durch Bahnblock bzw. Mannschaftsstreifen festgelegt). Hat der Stock das Zielfeld, auf dessen Daubenkreuz vor Beginn der Kehre die Daube gelegt wird, erreicht und nicht wieder verlassen, dann muss die gegnerische Mannschaft solange nachspielen, bis sie mit einem ihrer Stöcke die Bestlage zur Daube erreicht. Gleiche Entfernung ergibt noch keine Bestlage und gilt bei Kehrenende als Unentschieden.

Wurde das Zielfeld vom 1. Spieler nicht getroffen, muss seine Mannschaft solange anspielen, bis einer ihrer Stöcke im Zielfeld platziert ist.

Es darf sich nur ein Spieler (Spielführer) pro Mannschaft zum Zielfeld begeben und von dort aus das Spiel seiner Mannschaft leiten. Dieser muss seinen Versuch bereits abgegeben haben.

Spielt ein Spieler so, dass alle Stöcke das Zielfeld verlassen, dann muss seine Mannschaft nachspielen, bis einer ihrer Stöcke im Zielfeld stehen bleibt.

Wird die Daube aus dem Zielfeld befördert oder bleibt sie in diesem auf ihrer Schmalseite stehen, dann wird sie auf das Daubenkreuz gelegt.

Ein Spiel besteht aus 6 Kehren, welche von den Mannschaften abwechselnd anzuspielen sind, sodass die Kehren 1, 3 und 5 von einer Mannschaft und die Kehren 2, 4 und 6 von der anderen Mannschaft angespielt werden.

Die Bestlage zur Daube kann erreicht werden durch:

  1. Einen Versuch nahe an die Daube (Maß)
  2. Wegspielen eines, zwei oder aller Stöcke des Gegners (Schießen, Doppelschlag, Ausräumen)
  3. Bringen der Daube zu einem dahinterstehenden Stock der eigenen Mannschaft (Daubenrücken)
  4. Bringen eines Stockes der eigenen Mannschaft in Daubennähe (Aufgeben)
  5. Wenn sich mehrere Stöcke im Spielfeld befinden, durch einen indirekten Versuch (Einschlagen)
  6. Wenn sich die Daube nicht auf dem Daubenkreuz befindet und ein Stock der eigenen Mannschaft die Bestlage zum Daubenkreuz innehat, durch einen Versuch, welcher die Daube aus dem Zielfeld befördert (um die Einlage spielen)

Jede Mannschaft muss bemüht sein, am Ende einer Kehre zumindest mit einem Stock die Bestlage zu erreichen. Für ein besseres Ergebnis ist es aber nötig, dass nach Beendigung der Kehre 2, 3 oder gar 4 Stöcke der eigenen Mannschaft näher zur Daube stehen als der bestplatzierte gegnerische Stock.

Zur Wertung zählt der, der Daube nächststehende Stock 3 Punkte. Jeder weitere Stock der gleichen Mannschaft, der ebenfalls näher zur Daube steht als der beststehende Stock des Gegners, erhält 2 weitere Punkte. Insgesamt sind also von einer Mannschaft pro Kehre maximal 3+2+2+2=9 Punkte zu erzielen.

Spielsieger ist diejenige Mannschaft, welche in den 6 Kehren die höhere Stockpunktsumme erreicht.

Zielbewerb

Der Zielbewerb ist ein Einzelbewerb, welcher auf denselben Bahnen wie das Mannschaftsspiel durchgeführt wird.

Auf 1 Bahn sind in 4 Durchgängen Standardsituationen vorgezeichnet, welche vom Spieler Vielseitigkeit und großes Können speziell im Maßen, Schießen, Aus- oder Abräumen, Einschlagen und Aufgeben verlangen.

Der Spieler hat pro Durchgang 6 Versuche abzugeben, was die Gesamtzahl von 24 Versuchen ergibt.

Die einzelnen Versuche werden je nach Aufgabe und Ausführung mit unterschiedlicher Punktezahl bewertet. Je Durchgang sind maximal 60 Punkte zu erreichen. Insgesamt maximal 240 Punkte.

1. Durchgang

Es werden 6 Versuche ins Ziel (mittlere Zielringe) ausgeführt, bei denen der Stock des Spielers möglichst nahe an das Mittelkreuz gebracht werden soll. Auf dem Mittelkreuz liegt bei allen Versuchen die Daube.

Gewertet wird der innere Ring, den der Stock erreicht, wobei die Projektion seines Stahlringes auf den Sportboden maßgebend ist. Die Ringe zählen von außen nach innen: 2, 4, 6, 8 und 10 Punkte. Es werden maximal 60 Punkte gewertet.

2. Durchgang

Es werden 6 Versuche auf einen Zielstock gespielt, der wechselweise in markierten Kreisen aufgestellt wird. Bei den 6 Versuchen gilt es, den in unterschiedlichen Kreisen aufgestellten Zielstock aus dem Zielfeld zu befördern, wobei der Stock des Spielers im Zielfeld verbleiben soll. Die Versuche auf den Zielstock sind, von der Abspielstelle aus gesehen, wie folgt auszuführen:

1. vorne links, 2. vorne rechts, 3. hinten links, 4. hinten rechts, 5. Mitte links, 6. Mitte rechts
Auf dem Mittelkreuz liegt bei allen Versuchen die Daube.
 
Gewertet wird wie folgt:
a) Zielstock wird getroffen, ohne dass er das Zielfeld verlässt = 2 Punkte
b) Zielstock wird aus dem Zielfeld befördert, der Stock des Spielers verlässt ebenfalls das Zielfeld = 5 Punkte
c) Zielstock wird aus dem Zielfeld befördert, der Stock des Spielers verbleibt im Zielfeld = 10 Punkte
Es werden maximal 60 Punkte gewertet.
 
 
3. Durchgang
 
Es werden je 3 Versuche ins linke und dann ins rechte hintere Ziel (Zielringfragmente) ausgeführt, bei denen der Stock des Spielers möglichst nahe an die Zentren der Ringe gebracht werden soll. Im Zentrum der Zielringe liegt bei allen Versuchen die Daube.
 
Gewertet wird der innere Ring, den der Stock erreicht, wobei die Projektion seines Stahlringes auf den Sportboden maßgebend ist. Die Ringe zählen von außen nach innen: 2, 4, 6, 8 und 10 Punkte. Es werden maximal 60 Punkte gewertet.
 
 
4. Durchgang
 
Es werden 6 Versuche auf einen Zielstock gespielt, der wechselweise in markierten Kreisen aufgestellt wird. Die Versuche auf den Zielstock sind von der Abspielstelle aus gesehen wie folgt auszuführen:
 
1. vorne links, 2. vorne rechts, 3. vorne halblinks, 4. vorne halbrechts, 5. Mitte links, 6. Mitte rechts
 
Bei den Versuchen 1 und 2 gilt es den Zielstock so zu treffen, dass der Stock des Spielers möglichst nahe am Mittelkreuz zum Stehen kommt (Ablenken).
 
Bei den Versuchen 3 und 4 gilt es, den Zielstock so zu treffen, dass dieser möglichst nahe am Mittelkreuz zum Stehen kommt (Bringen).
 
Bei den Versuchen 5 und 6 gilt es, den Zielstock zu treffen, wobei der Stock des Spielers in den Zielringen verbleiben muss, damit eine Wertung erfolgen kann.
 
In diesem Durchgang liegt bei allen Versuchen die Daube auf dem Mittelkreuz.
 
Gewertet wird wie folgt:
Versuche 1 und 2: die mit dem Stock des Spielers erzielten Punkte = 2 bis 10
Versuche 3 und 4: die mit dem getroffenen Zielstock erzielten Punkte = 2 bis 10
Versuche 5 und 6: verbleiben beide Stöcke in den Zielringen, nachdem sie sich berührt haben, so werden 5 Punkte gewertet, wird der Zielstock aus den Zielringen befördert, so werden 10 Punkte gewertet.
Höchst erreichbare Punktezahl: 60.

Weitenbewerb

siehe unter Links "Alles übers Weitschießen"

 

Quelle Erwin Hörmann, Trainer